Die kleine Schwester der Berlinale
Von Florentine Fritzen.
Den kompletten Beitrag finden Sie hier: Frankfurter Allgemeinen 6.08.2026
Die Taunale ist im Vergleich zum berühmten Filmfest in Berlin kaum bekannt. Bis zum Wochenende werden Kurz- und Langfilme in vier Städten im Taunus gezeigt.
In Kinos, aber auch in einer Kirche.
Über der Leinwand thront die Orgel. Es riecht nach Popcorn in der Christuskirche im hessischen Oberursel. Exakt zehn Zuschauer haben am Donnerstagvormittag in den Bankreihen aus Holz Platz genommen, um sich den Film „Pizza Under Fire“ anzusehen. Einer hat sich an der Theke im Vorraum eine Cola gekauft. Die Popcornmaschine und das Bierangebot aus dem Taunus werden dann vermutlich erst am Abend so richtig intensiv genutzt: Die Vorführung des Films „Identitti“ nach dem Roman von Mithu Sanyal ebenfalls in der evangelischen Kirche sei schon ausgebucht, sagt Eva Debrodt, Festivaldirektorin des Taunus-Filmfests Taunale. Dessen Programm beginnt im Kirchenschiff pünktlich um 11.30 Uhr, und zwar mit „Winter in March“. Der Kurzfilm handelt von einem russischen Paar, das im Krieg die Heimat verlässt. Dargestellt wird das mit handgefertigten Puppen, die sich mittels Stop-Motion-Technik bewegen. Direkt danach folgt der Langfilm, eben „Pizza Under Fire“. Die britische Dokumentation von 2025 begleitet Freiwillige einer Wohltätigkeitsorganisation, die mit einem umgebauten Lastwagen an die Front in der Ostukraine fahren und in den Dörfern gratis Pizza backen und verteilen. Anders als die Berlinale findet die von vielen Sponsoren unterstützte Taunale nicht in einer Großstadt statt, sondern in vier mittelgroßen Städten im Taunus. Das Festival mit Ursprung unter dem freien Himmel des Rushmoorparks in Oberur- sel ist nicht nur viel, viel kleiner, als die Filmfestspiele in Berlin es sind, sondern auch deutlich jünger. Aber die Taunale wächst – und wird in diesem Jahr immerhin zum 15. Mal ausgerichtet. Einen
internationalen Anstrich gibt sie sich außerdem.


